Nachruf: Prof. Dr. med. Gerhard Schlüter


Professor Gerhard Schlüter verstarb am 30. Januar 2018 im Alter von 78 Jahren. Mit seinem Tod haben wir nicht nur einen engagierten Toxikologen, sondern auch einen engen Wegbegleiter verloren.

Professor Gerhard Schlüter wurde am 28. März 1939 in Düsseldorf geboren. Nach seinem Studium der Medizin war er zunächst als Assistenzarzt tätig, bevor er sich 1973 im Fach Anatomie habilitierte. Seit 1976 war er als wissenschaftlicher Rat an der Universität Bonn beschäftigt. 1979 erfolgte dann seine Ernennung zum außerplanmäßigen Professor. 1978 begann er seine Tätigkeit am Institut für Toxikologie der BAYER AG, dessen Direktor er 1988 wurde. Für die Erforschung und Entwicklung neuer Untersuchungsmethoden erhielt er die Otto-Bayer-Medaille. Bis zu seiner Pensionierung 2001 war er Leiter des Fachbereichs Toxikologie der BAYER AG.

Neben seiner beruflichen Tätigkeit war Professor Schlüter in verschiedenen Gremien und Ausschüssen tätig. So war er über mehrere Jahre Vorsitzender des ehemaligen Beraterkreises Toxikologie im Ausschuss für Gefahrstoffe des Bundesarbeitsministeriums. Für seine Arbeit in diesem Gremium erhielt er im Jahre 2000 das Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Berufsleben blieb er der Wissenschaft und Toxikologie weiter treu. Er war beratend in verschiedenen Gremien tätig und gehörte unter anderem rund 25 Jahre dem Kuratorium des Fraunhofer-Instituts für Toxikologie und Experimentelle Medizin an. Seit 2001 war Professor Schlüter enger Berater des Instituts für Prävention und Arbeitsmedizin der DGUV (IPA) zu vielen Fragen rund um die arbeitsmedizinische Toxikologie. Außerdem war er als Berater für die Zulassung neuer Medikamente in der translationalen medizinischen Forschung und bei Start-Up-Unternehmen sehr gefragt.

Bei unzähligen fachlichen Diskussionen, die oftmals weit über seine Lieblingswissenschaft, die Toxikologie, hinausgingen, hat er mit seinen Ideen und Gedanken, teils aber auch mit kritischen und fordernden Fragen wertvolle Beiträge geliefert, die nicht selten dazu führten, Fragestellungen aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und Probleme zu lösen.

Maßgeblich mitgearbeitet hat er unter anderem in der vom Unterausschuss (UA) III des Ausschusses für Gefahrstoffe (AGS) und der MAK-Kommission eingerichteten Ad hoc Arbeitsgruppe „Grenzwertableitung bei lokalen Effekten“. Darüber hinaus nahm er in den letzten Jahren – zuletzt noch im Dezember 2017 – regelmäßig an den Sitzungen des Arbeitskreises Metalle des UA III / AGS und der MAK-Kommission der DFG teil, wo er seine wissenschaftliche Expertise zu verschiedensten Gefahrstoffen, zuletzt insbesondere zum Bitumen, einbrachte.

Sein Wissen und seine Person wurde in allen Gremien, in denen wir zusammen mit ihm diskutieren durften, hochgeschätzt und respektiert.

Ihm ging es stets um die Sache, die Wissenschaft und den Menschen. Mit seiner Art und seiner Expertise hat er die regulatorische Toxikologie ein langes Stück seines Weges begleitet und ganz sicher auch für die Zukunft entscheidend mitgeprägt.

Wir werden sein Andenken in Ehren bewahren.

Geburtstagsgruß: Prof. Dr. Dr. Hans-Peter Klöcking zum 85. Geburtstag


Am 17. Februar 2018 feierte Prof. Dr. Dr. Hans-Peter Klöcking seinen 85. Geburtstag. Geboren und aufgewachsen in Rostock, absolvierte er an der dortigen Universität auch sein Chemiestudium (1952 - 1957). Bereits 1959 wurde er mit einer Dissertation „Zur Struktur einiger Pentosederivate“ zum Dr. rer. nat. promoviert. Nachdem er eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter angetreten hatte und sich mit der Chemie der Zuckermercaptale befasst hatte, entschloss er sich 1960 auch noch Medizin zu studieren, um dem Wirken der Stoffe auf die Spur zu kommen, die sowohl „nützlich“ (Pharmaka) als auch „schädlich“ (Noxen) sein können.

Als „Nordlicht“ folgte er noch vor den medizinischen Staatsexamina 1963 als einer der ersten Mitarbeiter seinem späteren Chef Prof. Dr. Dr. Fritz Markwardt (1924 - 2011) an das Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Medizinische Akademie Erfurt, das in den folgenden 30 Jahren seine Wirkungsstätte wurde. Der Promotion zum Dr. med. (1965) mit einer Arbeit „Über das Stoffwechselschicksal des Antifibrinolytikums p-Aminomethylbenzoesäure (PAMBA) beim Menschen“ folgte die Ausbildung zum Facharzt (Abschluss 1967). Nach der Habilitation über „Pharmakologische Untersuchungen über 4-Aminomethylbenzoesäure und ihre Derivate“ (1969) wurde ihm die Leitung der Toxikologischen Abteilung des Instituts übertragen, die in das Gesamtkonzept des Instituts zur umfassenden Untersuchung der Pharmakologie und Toxikologie der Blutgerinnung integriert war. Die seit 1967 in der Folia Haematologica publizierten Beiträge der 17 „Erfurter Konferenzen über Hämostase und Thrombose“ dokumentieren eindrucksvoll die Ergebnisse dieser wissenschaftlichen Arbeit zur Entwicklung neuer originärer Arzneimittel [1].

Nachdem er 1974 zum Hochschuldozenten an der Medizinischen Akademie Erfurt ernannt wurde, folgte 1980 die Berufung zum außerordentlichen Professor. Seit 1983 war er auch stellvertretender Institutsdirektor. In den 1970er Jahren konzentrierten sich seine Forschungsarbeiten vor allem auf die Pharmakologie und Toxikologie der Fibrinolyse [2]. Dabei untersuchte er unter anderem die Wirkung von Batroxobin, Molsidomin, Pentosanpolysulfat und Pentoxifyllin. Die Ergebnisse zur Pharmakologie der Streptokinase sind im Handbuch der experimentellen Pharmakologie dokumentiert [3]. Schließlich leitete Prof. Klöcking die toxikologischen Untersuchungen von gentechnisch hergestelltem Hirudin [4]. Im Focus seines Interesses standen aber immer auch toxikologische Aspekte der Beeinflussung der Hämostase, so durch Blei, Quecksilber(II)-chlorid, Tetrachlormethan und Vinylacetat [5].

Als Hochschullehrer hat Prof. Klöcking große Verdienste um die Ausbildung auf dem Gebiet der Pharmakologie und Toxikologie erworben. Neben der Lehrtätigkeit an der Medizinischen Akademie Erfurt organisierte er von 1981 bis 1991 die Fortbildungslehrgänge „Toxikologische Chemie/Medizinische Toxikologie“ der Akademie für Ärztliche Fortbildung der DDR. Als 1987 der Aufbaustudiengang „Toxikologie und Umweltschutz“ der Universität Leipzig etabliert wurde, war er von Beginn an an den Lehrveranstaltungen beteiligt [6]. Noch heute organisiert er im Rahmen der Weiterbildung „Fachtoxikologe/in GT“ der Gesellschaft für Toxikologie jährlich zwei Kurse zu Grundlagen der Organtoxikologie und -pathologie [7].

In Zuge der Schließung der Hochschule in Erfurt wechselte Prof. Klöcking 1993 als Universitätsprofessor für Toxikologie an die Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Dort übernahm er 1995 die pharmakologische und toxikologische Ausbildung der Studenten der Pharmazie und organisierte bis zu seiner Emeritierung 1998 ein von den Studenten sehr geschätztes Demonstrationspraktikum. Durch mehrere Doktoranden der Pharmazie wurde darüber hinaus die Geschichte des Vergiftungsgeschehens in Thüringen bis in die Neuzeit erforscht [8]. Damit hat Prof. Klöcking einen wesentlichen Beitrag zur Wiedereinrichtung und Erneuerung des Pharmaziestudiums an der Jenaer Universität geleistet. Prof. Klöcking gehörte 1990 zu den Initiatoren der Wiedergründung der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt, einer ursprünglich 1754 in Erfurt gegründeten Gelehrtensozietät, in der naturwissenschaftliche, medizinische, mathematische, geisteswissenschaftliche und technische Disziplinen gleichrangig vertreten sind. Im Januar 1991 wählten ihn die Mitglieder der Akademie zum Leiter der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Klasse und zu einem der beiden Vizepräsidenten und bestätigten ihn in diesem Amt erneut im Januar 1993 [9]. Er leitet die Kommission für spezielle Umweltfragen und organisierte bisher 15 Symposien zum Thema „Mensch - Umwelt“ zu verschiedenen diesbezüglichen Themen.

Schließlich darf nicht unerwähnt bleiben, dass Prof. Klöcking 1991 maßgeblich an der Konzeption für die Errichtung eines Giftinformationszentrums der ostdeutschen Bundesländer beteiligt war, in die er seine Erfahrungen bei der Durchführung des Toxikologischen Auskunftsdienstes einfließen ließ, der 1966 1983 am Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Medizinischen Akademie Erfurt durchgeführt wurde. Das Gemeinsame Giftinformationszentrum (GGIZ) der Länder Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wurde 1994 in Dienst gestellt. Es steht rund um die Uhr an allen Tagen des Jahres als GIFTNOTRUF den Bürgerinnen und Bürgern, niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, dem Rettungsdienst und den Kliniken der beteiligten Länder zur Verfügung und stellt in Kooperation mit den Giftinformationszentren in Göttingen und Freiburg den Nachtdienst für fünf weitere Bundesländer sicher.

  1. Erfurter Konferenz über Hämostase und Thrombose 1966-1989. https://portal.dnb.de/..., Zugriff 15.02.2018
  2. Markwardt F, Landmann H, Klöcking HP (1972) Fibrinolytika und Antifibrinolytika. Jena : Fischer 1972
  3. Klöcking HP (1978) Pharmacology of Streptokinase. In: Markwardt F. (Hrsg.) Fibrinolytics and Antifibrinolytics. Handbuch der experimentellen Pharmakologie / Handbook of Experimental Pharmacology, vol 46. Berlin, Heidelberg : Springer, pp 151-177
  4. Klöcking HP, Güttner J, Fink E (1988) Toxicological studies with recombinant hirudin. Folia Haematol 115 (1-2) 75-82
  5. Klöcking HP (Hrsg.) (1981) Toxische Beeinflussung der Hämostase. Berlin : Verlag Volk u. Gesundheit
  6. Müller RK, Klöcking HP, Hengstler JG (Hrsg.) (2012) Toxikologie - Wurzeln und Wandel. Erfurt : Akad. Gemeinnütziger Wiss.
  7. Weiterbildungsprogramm "Fachtoxikologe/in GT". https://www.helmholtz-muenchen.de/toxkurse/fachtoxikologein-gt/uebersicht/index.html - Zugriff 15.02.2018
  8. Klöcking HP (2012) Arzneimittelintoxikationen am Beispiel Thüringens vom 17. bis 20. Jahrhundert. In: Friedrich C, Müller-Jahncke W (Hrsg.) Gifte und Gegengifte in Vergangenheit und Gegenwart. Stuttgart : Wiss. Verl.-Ges., pp 193-216
  9. Die Geschichte der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt 1754 bis 2008. www.akademie-erfurt.de/Akademie-Erfurt/wb/pages/geschichte/akademie.php - Zugriff 15.02.2018


Dr. med. Helmut Hentschel, Erfurt

"Alle Ding' sind Gift
und nichts ohn' Gift;
allein die Dosis macht,
das ein Ding' kein Gift ist."

Paracelsus (1493-1541)

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Sonderheft "Human Biomonitoring 2016" erschienen

Das Sonderheft "Human Biomonitoring 2016", Volume 220/2 Part A der Zeitschrift International Journal of Hygiene and Environmental Health ist erschienen. Insgesamt 34 Beiträge stellen den aktuellen Stand des weltweiten Human-Biomonitorings (HBM) dar.

Das Sonderheft wurde im Nachgang zur 2. Internationalen Human-Biomonitoring Konferenz, Berlin 2016, zusammengestellt, die unter dem Motto "Wissenschaft und Politik für eine gesunde Zukunft" gemeinsam vom Umweltbundesamt und dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit durchgeführt wurde.

Alle Artikel sind ein Jahr im Open-Access online frei verfügbar: www.sciencedirect.com/...

Poster der GT auf der SOT-Tagung 2017

Society of Toxicology 56th Annual Meeting and ToxExpo, March 12–16, 2017, in Baltimore, Maryland
Poster

Poster der GT auf der SOT-Tagung 2016

Society of Toxicology 55th Annual Meeting and ToxExpo, March 13–17, 2016, in New Orleans
Poster

Wissenschafltiche Ausarbeitung

Arsen in Lebensmitteln und in Trinkwasser
Positionspapier

Pressemitteilung

Toxikologen warnen: Gesundheits- und Umweltschutz in Gefahr; Fachgesellschaft beklagt Mangel an Ausbildungsplätzen
PDToxGes2015.pdf

Wissenschafltiche Ausarbeitung

Toxikologie in Deutschland 2015
Positionspapier

Positionspapier des Arbeitskreises zum Humanbiomonitoring


Humanbiomonitoring.pdf