Marcel Leist

GT-Toxicology Preis 2017 für Marcel Leist

Der mit dem GT-Toxicology Preis 2017 ausgezeichnete Toxikologe Marcel Leist hält derzeit den Lehrstuhl für in vitro Toxikologie und Biomedizin an der Universität Konstanz. Er studierte Biochemie in Tübingen und Toxikologie an der University of Surrey in Guildford (1989). Dort kam er früh mit dem sich gerade entwickelnden Feld der Apoptoseforschung in Berührung und promovierte danach über Leberapoptose bei Albrecht Wendel in Konstanz. Nach einer Postdoc-Zeit mit Forschung an anti-oxidativen Enzymen und Vitaminen am deutschen Institut für Ernährung (DIFE) in Potsdam und am Karolinska Institut in Stockholm kehrte er zur Habilitation nach Konstanz zurück. Die dortigen Arbeiten zur Apoptose und Neurotoxikologie zusammen mit Pierluigi Nicotera warfen für Leist die Frage auf, inwieweit sich die Befunde praktisch anwenden ließen. Um dem nachzugehen, arbeitete er sechs Jahre (2000-2006) in der pharmazeutischen Industrie (Firma H. Lundbeck A/S in Kopenhagen), um Arzneistoffe für neurodegenerative Krankheiten zu entwickeln. Ab 2006 übernahm er dann den ersten Lehrstuhl in Deutschland für die Entwicklung vom Alternativmethoden zum Tierversuch. Im Rahmen dieses, von der Doerenkamp-Zbinden-Stiftung geförderten, und an der Universität Konstanz angesiedelten, Stiftungslehrstuhls fokussierte sich die Forschung stark darauf, Testmethoden zu entwickeln, die Neuro- und Reproduktionstoxizität vorhersagen. Die neuartigen Ansätze, die dazu in Konstanz entwickelt wurden, basieren auf dem Einsatz menschlicher Stammzellen, und extensiver Anwendung von genomweiten Transkriptionsanalysen. Aus dieser Forschungslinie gingen auch die mit dem GT -Toxicology Preis gewürdigten Arbeiten hervor.

Konkret geht es dabei um Testmethoden für das Gefährdungspotential von Chemikalien für Neuralleistenzellen oder für die daraus abgeleiteten peripheren sensorischen Nervenzellen. Neuralleistenzellen kommen beim Menschen nur bei der fötalen Entwicklung vor. Sie haben eine erstaunlich breite Funktionspalette, insofern sie nicht nur das periphere Nervensystem bilden, sondern auch zu vielen anderen Geweben beitragen. Darunter fallen die Haut (Melanozyten), das Herz, der Darm (Darmnervensystem), die Nebennieren (Mark), und die Knochen und Knorpel des Gesichts. Störungen der Neuralleistenfunktion haben deshalb so unterschiedliche Auswirkungen, wie Bildung einer Hasenscharte oder die Auslösung der Darmkrankheit Hirschsprung‘s Disease. Zur Funktion der Zellen gehören hochkoordinierte Wanderbewegungen im Körper, um vom Bildungsort oberhalb des Neuralrohrs die vielen Zielgewebe zu erreichen. In einer Serie von Arbeiten wurde im Konstanzer Labor ein Funktionstest entwickelt, der auf menschlichen Neuralleistenzellen aufbaut. Diese werden aus pluripotenten Stammzellen differenziert und dann auf ihre Wanderungsfähigkeit in der Gegenwart von zu testenden Chemikalien untersucht. Dieses System wurde mit toxikokinetischen Vorhersagemodellen gekoppelt und auf eine Vielzahl von Arzneimitteln und Umweltchemikalien angewandt, um mögliche Toxizität zu ermitteln und Biomarkerkandidaten zu identifizieren.

In der biologischen Entwicklung noch einen Schritt weiter geht ein ebenfalls im Leist-Labor entwickelter Test, der die Neuralleistenzellen nutzt, um daraus menschliche periphere Neuronen zu differenzieren. Mit diesem Verfahren war es möglich, reine Neuronenkulturen zu erhalten. Damit stand ein experimentelles System zur Verfügung um die neurotoxikologisch besonders wichtige Frage der Schädigung sensorischer Nervenzellen zu untersuchen. Mit dieser Testmethode wurden viele klinisch-bekannte periphere Neurotoxikantien korrekt identifiziert, und der Test erwies sich auch gegenüber dem mit anderen (aus dem Gehirn stammenden) Nervenzellen überlegen, was Sensitivität und Prädiktivität angeht.

Die hier ausgezeichneten Arbeiten stehen Beispielhaft für eine Serie an Testmethoden, die im Labor entwickelt wurden. Charakteristisch ist dabei, dass jeweils Zellen benutzt werden, die nicht einfach gewonnen werden können und daher aus Stammzellen erzeugt werden müssen, und dass die Testsysteme mit mathematischen Modellen und genomweiten Daten kombiniert werden um netzwerkweite Vorhersagen im Sinne einer Systemtoxikologie treffen zu können.

Der GT-Toxicology Preis wird jährlich von der Deutschen Gesellschaft für Toxikologie (GT) gemeinsam mit der Fachzeitschrift „Toxicology“ für herausragende Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Toxikologie vergeben.

Zusammenfassung

Stellenangebote

Interessante Stellenangebote finden Sie unter folgendem Link: www.toxikologie.de/...

Bericht zum 15. International Congress of Toxicology, Honolulu

Vom 15.-18.7.2019 fand der 15. International Congress of Toxicology (ICTXV) der International Union of Toxicology (IUTOX) in Honolulu, USA statt. Ein thematischer Schwerpunkt des diesjährigen Kongresses war der Austausch über internationale Aktivitäten bei der Setzung von Standards für die toxikologische Bewertung von Lebensmittelzusatzstoffen und -Verunreinigungen sowie Nanomaterialien.

Weitere Informationen erhalten Sie in dem verlinkten PDF-Dokument.

Toxikologie - 4. völlig neu bearbeitete Auflage

Dieses Standardwerk gibt kompetent und umfassend Antworten auf die wichtigen toxikologischen Fragen unserer Zeit.

Die vorliegende Auflage wurde vollständig neu gestaltet und aktualisiert, einige Kapitel wurden komplett neu geschrieben.

Das Buch ist unentbehrlich für alle, die wissenschaftlich fundierte, objektive Antworten in allen Bereichen der Toxikologie und des Umwelt- und Verbraucherschutzes geben wollen. Es liefert eine breite wissenschaftliche Basis für den Berufsalltag in Klinik, Forschung, Wirtschaft und Politik sowie für die Aus- und Weiterbildung.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.deutscher-apotheker-verlag.de

BMBF-Bekanntmachung

Richtlinie zur Förderinitiative „InnoSysTox-Moving – Innovative Systemtoxikologie als Alternative zum Tierversuch – Hin zur Anwendung“, Bundesanzeiger vom 25.04.2019

Weitere Informationen finden Sie unter: www.bmbf.de/...

Neues Bulletin zur Arzneimittelsicherheit erschienen (Ausgabe 1/2019)

Informationen aus BfArM und PEI

Prävention und Management immunologischer Nebenwirkungen bei innovativen Therapieansätzen

im Rahmen des 4th German Pharm-Tox Summits in Stuttgart.

Zusammenfassung des Symposiums als PDF

Stellungnahme der Beratungskommission

Der aktuelle NO2-Grenzwert, im Zusammenhang mit Fahrverboten, ist wissenschaftlich plausibel.

Weitere Informationen finden Sie unter www.toxikologie.de/...

Poster der GT auf der SOT-Tagung 2019

Society of Toxicology 58th Annual Meeting and ToxExpo, March 10–14, 2018, in Baltimore
Poster

DFG bewilligt Sonderforschungsbereich zum Thema DNA-Reparatur und Genomstabilität

Weitere Informationen können Sie der PDF-Datei entnehmen.

Positionspapier des Arbeitskreises zum Humanbiomonitoring


Humanbiomonitoring.pdf